Treffen 2005 in der Normandie – Pay des Hautes Falaises

Das jährliche Treffen der Sektion aus Amiens in Frankreich und der aus Bochum/Dortmund fand im Jahr 2005 traditionell an dem Wochenende von Christi Himmelfahrt bis zum darauf folgenden Sonntag statt. Als gemeinsames Ziel wurde von deutscher Seite die Normandie vorgeschlagen. So hatten unsere Freunde aus Amiens, die die Planung und Organisation der Reise übernahmen, diesmal etwas mehr Arbeit. Doch jeder Wunsch unserer deutsch-französischen Reisegruppe von 28 Erwachsenen und 4 Kindern wurde von Rémi gerne berücksichtigt und fantastisch erfüllt.

Normandie

Donnerstag, 5. Mai, Ankunft im Hotel „Normandy“ in Fécamp, einem kleinen Städtchen an der Küste des Ärmelkanals. Der lange Anfahrtsweg mit einigen Staus auf der Autobahn machte es nicht allen Teilnehmern möglich, pünktlich zu Programmbeginn einzutreffen. Denn schon um 16.30 Uhr besichtigten wir das Palais Bénédictine in Fécamp. Wer hinter diesem Namen eine Abtei vermutet hatte, irrte. Ein ungewöhnlicher Palast mit seiner Architektur zwischen Gotik und Renaissance überrascht uns mit seiner Pracht. Dieses im Jahr 1900 eingeweihte Gebäude ist die Produktionsstätte des berühmten Likörs Benedictine. Außerdem beherbergt das Gebäude ein Museum mit unterschiedlichen Kunstschätzen. Geschaffen und gesammelt wurde das alles von dem Weinhändler Alexandre Le Grand. Dieser großartige Geschäftsmann wusste das Jahrhunderte vergessene Rezept des Dom Bernardo Vincelli, einem Benediktinermönch der längst verschwunden Abtei von Fécamp, zu nutzen. Am Ende des beeindruckenden Rundgangs konnten wir uns selbst von der Qualität und dem Geschmack des Benedictine überzeugen.
Der Abend ging mit einem mehrgängigen Menü im Hotel Normandy weiter. Hier wurden wir auch alle nochmals von Jean-Claude, seines Zeichens „monsieur le president“, willkommen geheißen und wir tauschten Gastgeschenke. Rémi informierte uns über den Programmablauf des nächsten Tages. Wie immer brauchten die deutsch-französischen Unterhaltungen eine kleine Aufwärmphase, wegen des unterschiedlichen Sprachniveaus in der jeweiligen Fremdsprache. Die Kinder kannten keine Probleme.

Der Freitag begann mit einem reichhaltigen Frühstück und gutem Ausflugs-Wetter. Unser Ziel für den heutigen Tag war Veules les Roses, eine kleine Stadt, Richtung Dieppe. Ein kleiner, idyllischer Ort, der mit einer Besonderheit aufwarten kann. Hier fließt der kürzeste Strom Frankreichs. La Veules mit einer Länge von 1.200 m. Unser Weg führte uns von der Quelle entlang des Stromes durch den hübschen Ort bis zur Mündung. Die letzten Meter des Stroms bis zum Meer führen allerdings nicht mehr sichtbar unter den Steinen des Strandes hindurch zum Ärmelkanal. Am Strand konnten die „kleinen Jumeleure“ sich auf einem schönen Spielplatz amüsieren. Für die Erwachsenen war ein Fischstand interessanter, an dem wir von der Händlerin Auskunft über den Fang bekamen.  Nach dem Rundgang durch Veules les Roses konnten wir uns wieder gemeinsam zum nächsten Ausflugspunkt auf den Weg machen, nachdem auch verlorene Schäfchen Dank Handys wieder zur Gruppe geführt werden konnten.

Weiter ging es zu einer Ziegenfarm. Hier statteten wir zunächst den Ziegen in ihrem Stall einen kurzen Besuch ab, wenn auch teilweise mit gerümpfter Nase. Die kleinen Zicklein wurden trotzdem gestreichelt. Danach wartete ein zünftiges Essen mit Spezialitäten des Hofes auf uns. Für jeden Geschmack war etwas dabei. Rémi ließ uns auf seinen in diesem Jahr angetretenen Ruhestand anstoßen.
Frisch gestärkt erwartete uns noch eine Fahrt im Pferde-Planwagen. Zur besonderen Freude unserer kleinen Teilnehmer, die Platz auf dem Kutschbock fanden. Ein Zwischenstopp in der kleinen Dorfkirche und der Spaziergang durch einen Kräutergarten rundeten das  ereignisreiche Tagesprogramm ab.

Normandie

Bei einem köstlichen, mehrgängigen Abendessen im Restaurant „terre neuvas“ mit Blick auf das Meer und herrlichem Sonnenuntergang klang der Tag aus.

Am Samstag stand uns eine lange Fahrt nach Caen bevor. Auf der Autobahn ging die Fahrt über die Pont de Normandie. Unser Ziel war das „Mémorial de Caen“. Inhaltlich bginnt die Ausstellung mit der Zeit nach dem 1.Weltkrieg. Sie zeigt die Entwicklung in Europa hin zum 2. Weltkrieg auf, thematisiert Besetzung und Befreiung Frankreichs und danach die Zeit des „Kalten Krieges“ zwischen West und Ost. Der Weg führt weiter in die Halle des Friedens. Herausragendes Ausstellungsstück ist das Faksimile des ältesten bekannten Friedensvertrages der Menschheitsgeschichte, den Pharao Ramses II und der Hethiterkönig Chattuschili III im 13. Jahrhundert v. Chr. unterzeichnet haben.

Ein großer Raum des Museums nehmen Ausstellungstücke ein, die zum Frieden aufrufen. Die Ausstellung wird ständig aktualisiert. Die Erinnerungsstätte mit einem großen Außengelände  konnte in der kurzen  Zeit nur einen kleinen Einblick geben.

Normandie

Wir machten noch einen Abstecher zur Küste, wo die Alliierten auf einer Breite von 80 km landeten. Wir bestiegen den dortigen Leuchtturm und uns bot sich ein schöner Blick auf die Bucht. Die gerade zuvor gesehenen Filmbilder der Landung der Alliierten konnten wir mit dem jetzt Gesehenen nicht in Verbindung bringen. Wir sahen den Fischmarkt, die vielen großen Schalen der Jacobsmuscheln im Hafenbecken. Gott sei Dank.

Zum Abend-Abschiedsessen trafen wir uns im Hotel „Normandy“. Es wurde wieder sehr gut gegessen und mehr oder weniger viel erzählt. Je nach Sprachkenntnissen. Elodie gab ihre sehr schöne Zusammenfassung in Form einer bebilderten und kommentierten Mappe unseres letzt jährigen Treffens in Deutschland zur Ansicht. Eine schöne Erinnerung.

Wer an die Côte d’Albâtre fährt kommt nicht umhin, die berühmten Felsen von Étretat, Anziehungspunkt schon so vieler Künstler, zu besuchen. So machten wir vor der Heimreise noch einen Abstecher zu dieser eindrucksvollen Strand­kulisse mit ihren steilen Felswänden, in die das Meer im Laufe der Zeit bizarre Formen gemeißelt hat.
Doch nun galt es Abschied zu nehmen. Eine lange Heimfahrt stand uns Deutschen bevor. Wir hatten schöne Tage verbracht und viel gesehen und erlebt, die kleinen wie die großen Jumeleure.

Herzlichen Dank, besonders an Rémi und Michèle für die außerordentliche Organisation und hervorragende Betreuung, allen unseren französischen Freunden, die uns durch dieses schöne Wochenende geführt haben.

Annelies Radermacher