Französische Kapelle

Die „Geschichtswerkstatt Französische Kapelle“ in Soest erhält ein neues Schmuckstück
Modell der 150P12
Ein Beispiel für die Partnerschaft der Jumelages-Sektionen in Amiens und Bochum/Dortmund

 

Die „Französische Kapelle“ in Soest erinnert an eine finstere Zeit der deutsch-französischen Beziehungen. Sie befindet sich in einer Kaserne, die ab 1940 bis 1945 als Gefangenenlager für französische Offiziere genutzt wurde. In den Jahren 1940 bis 1943 war neben dem Fehlen der Freiheit, der Heimat und der Familien, die Langeweile des Lagerdaseins ein großes Problem für die Gefangenen. Als Offiziere waren sie von Zwangsarbeit befreit. Unter den Offizieren befanden sich Universitätsprofessoren, Künstler, Geistliche und viele andere Fachleute, die nun in der Kaserne eine sinnvolle Beschäftigung suchten.

Der Verein Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e.V.  hat sich zur Aufgabe gemacht, die Dokumente und künstlerischen Werke aus dieser Zeit in den Originalräumen zu sammeln und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Damit soll an die Schrecken des Krieges zwischen Deutschland und Frankreich, aber auch an die erkennbare menschliche Anteilnahme des Wachpersonals erinnert werden.

Wer hierüber mehr wissen möchte, sollte die Homepage des Vereins unter www.franzkapellesoest.de aufrufen.

Modell der 150P12
Modell der 150P12

Aber welche Kontakte bestehen zwischen der Eurojumelage und dem Museum?
Beide Vereine verfolgen das Ziel der Völkerverständigung. So ist es verständlich, dass sich Mitglieder der Jumelage-Sektion Bochum/Dortmund auch im Museumsverein finden. Davon das sich beides vorteilhaft miteinander verbindet, zeugt die nun folgende wunderbare Geschichte.

Frau Barbara Köster, die 1. Vorsitzende des Geschichtsvereins Französische Kapelle in Soest, zeigte dem befreundeten Modelleisenbahnclub MES 03 Soest, der ebenfalls die Räumlichkeiten der Kaserne nutzt,  einen Katalog aus dem Jahre 1943 über eine Modelleisenbahnausstellung der französischen Kriegsgefangenen in Paris. Aufgrund dieses Dokuments begann eine gemeinsame Suche nach möglicherweise noch existierenden Modellen der Gefangenen. Auf Initiative des zweiten Vorsitzenden des Modelleisenbahnclubs Soest Klaus Gehrke, ebenfalls Mitglied der Eurojumelage, konnte ein M. Henri Caron Mitglied der befreundeten Jumelage-Partnersektion in Amiens/Nordfrankreich für Recherchen in Frankreich gewonnen werden. 

M. Henri Caron begann umgehend mit intensiven Nachforschungen. Es grenzt an ein Wunder, dass die Recherchen schon nach relativ kurzer Zeit einen ersten spektakulären Erfolg zeitigten. Anhand der vorliegenden Namensliste ermittelte M. Caron die Witwe eines Modellbauers, die hochbetagt in der nordfranzösischen Stadt Aire-sur-la-Lys lebt und die bereit war, das unbeschädigt vorhandene Modell samt vieler weiterer Dokumente dem Museum „Französische Kapelle“ in Soest zu übereignen. Sie folgte damit übrigens auch dem Wunsch ihres vor vier Jahren verstorbenen Gatten.
Ein Artikel in der französischen Zeitung „le Courrier Picard“ dokumentiert die Übergabe.

Modell der 150P12

Dieses großartige Zeugnis für gelebte Völkerverständigung, wurde durch den Besuch von  Mitgliedern unserer Sektion – die gleichzeitig auch Mitglieder der Geschichtswerkstatt  und des Modelleisenbahnclubs in Soest sind - und der Sektion Amiens bei der alten Dame zu einem bewegenden Ereignis. Natürlich wurde auch das Grab des Modellbauers M. Pennel besucht und seiner Großherzigkeit gedacht.

Modell der 150P12

Der Erfolg ist aber auch ein Beweis für die Aktualität der Idee der Eurojumelage  und der Freundschaft zwischen den Mitgliedern, in diesem Fall aus den Sektionen Amiens und Bochum/Dortmund. Die unbedingte Bereitschaft der französischen Freunde, kurzfristig eine würdige Übergabe des Eisenbahnmodells 150P12 zu organisieren und unter Zurückstellung sonstiger Verpflichtungen den deutschen Gästen Unterkunft zu gewähren, die notwendigen Fahrten abzuwickeln und als Übersetzer und Kontaktpersonen zu fungieren, zeigt die über Jahre gewachsene Freundschaft zwischen den Mitgliedern der beiden Sektionen.

Modell der 150P12

Alle Mitglieder der Sektionen Amiens und  Bochum/Dortmund freuen sich mit der „Geschichtswerkstatt Französische Kapelle e.V.“ und dem „Modelleisenbahnclub 03 Soest“ über die erhaltenen Ausstellungstücke - die in den Ausstellungsräumen der sich im Aufbau befindenden Gedenkstätte Französischen Kapelle ihren Platz gefunden haben - und hoffen damit den Museumsbesuchern ein Beispiel von gelebter Völkerverständigung zu vermitteln.

Es zeigt auch, wie engagierte Bürger der Stadt Soest, über Vereinsgrenzen hinweg, durch den gemeinsamen Standort in der Kaserne Soest gemeinsam erfolgreich Ziele erreichen können und sich gegenseitig unterstützen.

 

Im Juli 2010
Wolfgang Radermacher

Eurojumelages Sektion Bochum/Dortmund

 

P.S.
Inzwischen hat M. Henri Caron weitere Modelle in Frankreich ausfindig machen können und verhandelt mit den Besitzern über eine Übergabe an die „Geschichtswerkstatt“ in Soest.