Leben wie Gott in Frankreich

Was gibt es schöneres als von guten Freunden verwöhnt zu werden!
Diesen Eindruck nahmen zehn Mitglieder der JEPTT-Sektion Bochum/Dortmund von ihrem Besuch in unserer Partnersektion Amiens mit nach Hause.
Aber zunächst schauen wir ein paar Tage zurück. Am Donnerstag dem 17. Mai 2001 fahren drei Autos, besetzt mit zehn erwartungsfrohen Jumeleuren, vom Ruhrgebiet nach Amiens in Frankreich, genauer gesagt in die Picardie im Nordwesten Frankreichs.
Nachdem zwei Gruppen nach Irrfahrten in Amiens von den Gastgebern aufgelesen worden waren – gelobt sei die Erfindung des Mobilfunks – fand die Begrüßung in den Räumen von France Telecom im großen Kreis der Gastgeber und sonstigen Amienser Jumeleuren statt.

Amiens 2001
Die Vorsitzenden der Sektionen Amiens und BO/DO tauschen Erinnerungsgeschenke mit den Emblemen von France Telecom Deutsche Telekom, Deutsche Post und der Stadt Dortmund, Partnerstadt von Amiens.

Nach der Wiederherstellung der Kondition aller Reisenden durch Speisen und Getränke, begann die „offizielle“ Begrüßung durch den Vorsitzenden der Sektion Amiens Jean-Claude Damiens, der die Gäste auch mit Präsenten erfreute. Aber auch wir waren nicht „ganz ohne“ gekommen.

Amiens 2001

Bei der Fahrt zu den Wohnungen der Gastgeber, waren noch die Folgen der schweren Überschwemmungen der Somme in diesem Frühjahr zu erkennen: Sandsäcke an den Ufern, überlaufende Schleusen und überschwemmte Felder und Wälder. Aber unsere Gastgeber waren nicht direkt betroffen und so konnten wir unsere Füße trocken unter die Tische stellen, das vorbereitete Abendessen genießen und das erzählen, was uns wichtig war. (Hoch lebe der Erfinder des Taschenwörterbuchs.)

Am Freitag um 8.30 Uhr (Teufel – war das Aufstehen schwer: Es muss am Abend vorher ein Glas Wein oder Calvados zu viel gewesen sein) war der Start zum gemeinsamen Ausflug nach Boulogne sur Mer. Dort besuchten wir das Meerwasser-Aquarium „Nausicaa“. Ein Highlight seiner Art, das Einblicke in das Leben im Meer von oben und unten gewährt, mit vielfältigen Informationen zu ökologischen und ökonomischen Zusammenhängen zwischen Natur und Menschen. Anschließend erfolgte eine praktische Unterweisung über das Thema Mensch und Meer: „Moules Frites“ (Muscheln mit Pommes Frites), eine typische nordfranzösische Mahlzeit in einem kleinen Lokal und wie es sich in Frankreich gehört – mit Aperitif, Dessert und Kaffee.

Amiens 2001

Weiter ging die Fahrt zum „Cape Gris Nez“ an der engsten Stelle des Ärmelkanals gegenüber Dover. Leider war der berühmte Kreidefelsen von Dover im Dunst nur schemenhaft zu erkennen. Aber dafür besichtigten wir die französische Radar- und Kontrollstelle für den Schiffsverkehr im Ärmelkanal. Ein Offizier erläuterte uns die besonderen Regeln und Schwierigkeiten in diesem Seegebiet, die technische Ausstattung, sowie die Zuständigkeiten und möglichen Rettungsmittel bei Unfällen. Bevor wir durch die hügelige Landschaft „nach Hause“ fuhren, gab es noch eine Rast in dem wehrhaften Städtchen Montreuil mit hoher Stadtmauer, riesiger Festungsanlage von Vauban und schönen Plätzen und Strassen.

Nach einem netten Abend in den Familien war der Samstagvormittag traditionsgemäß freigehalten zum Ausschlafen oder Stadtbummel über die großzügigen Marktplätze und schönen Geschäfte von Amiens. Diesmal stand die Stadt im Banne des Fußballs „Allez Amiens“ (Vorwärts Amiens), denn der örtliche Fußballclub stand erstmals in seiner Vereinsgeschichte im Endspiel um den französischen Fußballpokal. (Sie waren übrigens eine Woche später gegen Straßburg mit 4:5 knapp unterlegen.) Ab 14.30 Uhr stand wieder ein festes Programm und die zehn deutschen Gäste reisten mit etwa zwanzig Amiensern zur Besichtigung einer „Ebenisterie des chaises“ (Stühleschreinerei). In den Orten östlich von Abbeville gibt es viele Familienbetriebe. Unser Betrieb existierte in der siebten Generation seit etwa 1815. Der Gründer hatte die Herstellung von Stühlen in preußischer Kriegsgefangenschaft erlernt. Jährlich werden in dem 8-Mann-Betrieb etwa 5000 Holzstühle mit Strohbespannung im Antikstil nachgebaut. Die sehr unterhaltsame Führung durch die Werkstatt gab auch einen Einblick in die Zwänge und Chancen von Kleinbetrieben auf dem Lande.

 

Amiens 2001

Eine Wanderung durch die Teichlandschaft und die Besichtigung der letzten Windmühle (gebaut um 1600) in Saint Maxent beendeten den Nachmittagsausflug. Übrigens, einer der Mühlenbesitzer war der Onkel einer der Jumeleure und dieser konnte aus dieser Zeit – etwa 1935 – einige Anekdoten von seinem etwas schrulligen Müller-Verwandten erzählen.

Amiens 2001

Der Abend stand im Zeichen der schon traditionellen Soiree. Unsere Gastgeber hatten ein Lokal auf dem Land ausgesucht - das Restaurant „Le Pont d' Hure“. Die Franzosen konnten unsere Heiterkeit über den Namen des Lokals nur nach einigen Andeutungen und Hinweisen verstehen, denn eine „Hure“ ist in Frankreich ein ehrbares weibliches Wildschwein.

Amiens 2001

Das über den Abend – und die Nacht – aufgetischte Menü war ein Augen- und Gaumenschmaus. Und als um 1 Uhr am Sonntagmorgen die ersten aufbrachen, wunderten wir uns, wie schnell die Zeit mit Freunden verfliegt.
Am Sonntag um 11 Uhr war die Abreise nach Deutschland angesagt und viele Amienser Jumeleure hatten sich noch einmal auf dem Platz vor dem Zirkusgebäude in Amiens, an dem an diesem Tage der traditionelle Blumenmarkt stattfand, versammelt. Der Abschied war wie immer herzlich.

Alle freuen sich schon jetzt auf das Wiedersehen in Deutschland im nächsten Jahr.

Ganz sicher!!!!

 

Wolfgang Radermacher